Naturnah Gärtnern

Was einen naturnahen Garten ausmacht sind Struktur-, Standort- und Artenvielfalt.
Und die besondere Art zu gärtnern. 

Lebensräume schaffen

Beim Gärtnern entscheiden wir jeden Tag selbst, ob wir in unserem Garten sterile Monotonie erhalten, oder lebendige Vielfalt entwickeln wollen. Naturnah Gärtnern heißt, mit jedem Tun Lebensräume für Mensch, Tier und Pflanze schaffen. mehr...

Beziehung zur Natur und zum Garten

Naturnah Gärtnern ist auch eine Frage der inneren Einstellung und der Beziehung zur Natur und zum Garten. Was können und wollen wir hier tolerieren oder meinen es bekämpfen zu müssen? 

Viele als "Unkräuter" bezeichnete Pflanzen sind aus einem anderen Blickwinkel betrachtet Zeigerpflanzen für die Qualität und den Zustand des Bodens, traditionelle und wirksame Heilmittel, schmackhafte Wildgemüse, nützliche Ausgangsprodukte für Gartendünger und Pflanzenstärkungsmittel, oder auch Zierpflanzen.

Bei der Neuanlage von vielfältigen, naturnahen Pflanzflächen ist es sinnvoll, unkrautfreie Substrate zu verwenden, um keine wuchsstarke Konkurrenz für die gepflanzten oder angesäten Gehölze, Stauden und Kräuter zu schaffen, und den Pflegeaufwand möglichst gering zu halten. In eingewachsenen Gärten darf zwischen den Gehölzen und Stauden auch mal ein Unterwuchs aus Pfennigkraut, Gundermann oder Ehrenpreis sein. 

Man muss nicht so weit gehen, "berühmte Unkräuter" wie Brennnessel oder Giersch gezielt zu fördern. Denn die auf stickstoffreiche Böden angepassten Pflanzen sind ohnehin Profiteure der hohen Nitrateinträge aus der industrialisierten Landwirtschaft, und die darauf spezialisierten Insektenarten sind noch relativ häufig zu finden. Doch wo sie schon im Garten vorkommen, dürfen auch sie ihren Platz haben. Die Brennnessel kann geerntet, gekocht, zu Tee oder Gartendünger verarbeitet werden und bringt uns Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Admiral, Landkärtchen und Kleinen Fuchs in den Garten. Der Giersch kann beim gelassenen Gärnter in schattigen Ecken einen durchaus ansprechenden Bodendecker abgeben, der mit seinen weißen Doldenblüten Schwebfliegen, Käfer, Bienen und Falter anlockt und ihnen Nektar und Raupenfutter bietet. Und auch er kann geerntet und in der Küche zu schmackhaften und gesunden Speisen verarbeitet werden.  

Ähnlich verhält es sich mit den tierischen Mitbewohnern im Garten. Die Raupen von gerne bewunderten Schmetterlingen werden allzu leicht als "Schädlinge" betrachtet. Der wirkliche Schaden ist jedoch meist gering, vor allem wenn der Garten ein Lebensraum für eine große Vielfalt von Tieren ist, die sich durch fressen und gefressen werden im Gleichgewicht halten.

Als Naturgärtner lernen wir, den Garten zu lesen und zu verstehen und das übermäßige Aufkommen von einzelnen Arten, ob Tier oder Pflanze, auch als mögliches Zeichen für ein Ungleichgewicht zu deuten. Dafür müssen wir uns mit den Eigenschaften des jeweiligen "Besuchers" und seiner Rolle im Wirkgefüge des Gartens beschäftigen. Eine Pflanze die immer wieder von Blattläusen oder von Mehltau befallen ist, steht vermutlich am falschen Standort oder ist nicht an unsere klimatischen Bedingungen angepasst, Freßfeinde oder gute Nachbarpflanzen fehlen. An diesen Faktoren heißt es zu arbeiten, statt zur chemischen Keule zu greifen. 

Gärtnern ohne Gift

Naturnahes Gärtnern kommt gänzlich ohne chemische Pflanzenschutzmittel aus. Alles was der Garten braucht, ist Vielfalt. Beispiel Schneckenkorn: es vernichtet alle Schnecken - in unseren Gärten lebt ca. ein Dutzend der gut 200 in Deutschland verbreiteten Landschneckenarten. Auch diejenigen, die für die Fraßschäden gar nicht verantwortlich sind, oder zur Eindämmung der eigentlich "lästigen" Spanischen Wegschnecke beitragen, wie die Weinbergschnecke. Und auch wenn es auf der Packung steht, ist es sicherlich nicht wohltuend für Amsel, Kröte, Blindschleiche, Igel und andere Schneckenvertilger, die im naturnahen Garten ohne Gift auch leben.

Eine Blaumeisenfamilie im Garten frisst mindestens 10 Kilo Insekten im Jahr - mit Vorliebe Raupen und Blattläuse. Die Schaffung von Nist- und Rückzugsmöglichkeiten für Vögel ist die beste Methode zur Regulierung von Ungleichgewicht - und im Gegensatz zur Giftspritze gegen Blattlaus, Zünsler und Co. sehr wirkungsvoll, nachhaltig, und noch dazu kostenlos.

Naturnah Gärtnern heißt, an der richtigen Schraube drehen, standortgerecht pflanzen, die Arten- und Strukturvielfalt fördern und den Garten weiter in Richtung eines funktionierenden, dynamischen und vielfältigen Systems entwickeln.

Denn Vielfalt schafft Widerstandskraft

Und bis diese Maßnahmen wirksam werden (und das werden sie!), zahlt sich das selektive "Entfernen" - ob Tier oder Pflanze - aus. "Auge in Auge" mit Spanischer Wegschnecke, Zaunwinde, Wühlmaus und Co.. 

 

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